George Harrison über Meditation
(Interview 1982)



"Wenn es einen Gott gibt,
möchte ich Ihn sehen
"

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Lieber ein Geweihter Gottes


Mukunda Goswami: Du bezeichnest dich oft selber als ziviler Gottgeweihter, als Rückzugs-Yogi oder „Rückzugs-Krishna“, und Millionen Leute auf der ganzen Welt wurden durch deine Lieder mit dem Chanten bekannt. Aber was ist mir dir? Wie bist du zuerst mit Krishna in Kontakt gekommen?

George Harrison: Während meiner Indienbesuche. Ungefähr um die Zeit, als die Hare-Krishna-Bewegung 1969 das erste Mal nach England kam, hatten John und ich bereits Prabhupadas erstes Album, Krishna-Conciousness (Krishna-Bewusstsein) ergattert. Wir hatten es oft angehört und mochten es. Das war das erste Mal, dass ich jemals das Chanten des Maha-Mantras gehört habe.

Mukunda: Selbst als du und John Lennon Srila Prabhupadas Aufnahme oft laufen liesst und du schon etwas für dich allein gechantet hast, hattest du doch nie irgendeinen der Gottgeweihten wirklich getroffen. Jedoch als Gurudasa, Syamasundara und ich [als erste zur Eröffnung eines Tempels in London aus Amerika geschickte Gottgeweihte] das erste Mal nach England kamen, hast Du die Anmietung unseres ersten Tempels im zentralen London mitgezeichnet, hast den Bhaktivedanta Manor Yoga-Ashram für uns gekauft, der bildhaft gesprochen hunderttausenden Leute einen Ort zum Lernen über Krishna-Bewusstsein bot, und du hast die erste Auflage des Buches Krishna finanziert. Du hattest uns überhaupt noch nicht lange gekannt. War das nicht ein sehr plötzlicher Wechsel für dich?


("George Harrison donates Manor to Krishna devotees" Interview auf YouTube



George: Nicht wirklich, weil ich mich bei Krishna immer zu Hause fühlte. Weisst du, es war bereits ein Teil von mir. Ich denke, es ist etwas, dass ich aus meiner vorherigen Geburt mitnahm. Eure Ankunft in England und all das war nur wie ein weiteres Puzzlestück, das hinzukam und ein komplettes Bild ergab. Es passte langsam alles zusammen. Das ist der Grund, warum ich euch auf diese Art antwortete, als ihr das erste Mal nach London kamt. Ganz ehrlich. Wenn du aufstehen musst und mitgezählt wirst, malte ich mir aus, „dann möchte ich lieber bei diesen Jungs als bei den anderen Jungs da drüben sein“. So ähnlich ist das. Damit meine ich, dass ich lieber ein Geweihter Gottes sein möchte als einer der geradlinigen, sogenannten vernünftigen oder normalen Leute, die einfach nicht verstehen, dass der Mensch ein spirituelles Wesen ist, dass er eine Seele hat. Und ich fühlte mich auch bei euch allen wohl, so als ob wir uns schon vorher gekannt hätte. Es war eine ziemlich natürliche Sache, wirklich.


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Mukunda: George, du warst ein Mitglied der Beatles, ohne Zweifel die größte Popgruppe in der Musikgeschichte und eine, die nicht nur die Musik, sondern auch ganze Generationen junger Leute beeinflusst hat. Nach der Auflösung der Gruppe hast du als Solisten-Superstar mit Alben wie "All Things Must Pass", dem landesweit mit am besten verkauften Album für sieben Wochen in Folge, und seiner Hitsingle „My Sweet Lord“, die in Amerika zwei Monate lang Nummer eins war, weitergemacht. Dem folgte "Living in the Material World", für fünf Wochen Nummer eins bei Billboard und eine millionenfach verkaufte LP. Ein Lied auf diesem Album, „Give Me Love“, war glatte 6 Wochen ein durchschlagender Erfolg. Das Konzert für Bangladesh mit Ringo Starr, Eric Clapton, Bob Dylan, Leon Russel und Billy Perston war ein phänomenaler Erfolg, und es wurde nach Veröffentlichung der LP und des Konzertfilmes zum erfolgreichsten einzelnen Rock-Benefiz-Konzert aller Zeiten. Du hattest also materiellen Erfolg. Du warst überall, hat alles gemacht, doch gleichzeitig warst du auf spiritueller Suche. Was war es, das dich wirklich auf deine spirituelle Reise geschickt hat?

George: Es geschah nicht, bevor die Erfahrungen der Sechziger wirklich einschlugen. Weisst du, erfolgreich gewesen zu sein und jeden zu treffen, von dem wir glaubten, dass sie es wert wären, nur um dann herauszufinden, dass diese Leute eine Begegnung nicht wert waren, und auch, alles grösser als jeder andere gemacht zu haben. Es war so, als ob man die Oberseite einer Mauer erreicht, darüber hinausspäht und dann sieht, dass auf der anderen Seite so viel mehr ist. Daher fühlte ich es als Teil meiner Pflicht zu sagen „Oh, in Ordnung, vielleicht glaubt ihr, das sei alles was man braucht -reich und berühmt zu sein-, aber tatsächlich ist es das nicht.“


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Mukunda: George, in Deiner kürzlich veröffentlichten Autobiographie „I, Me, Mine“ sagest Du, Dein Lied „Awaiting on You All“ handelt von Japa-Yoga, oder dem Chanten von Mantras auf Perlenketten. Du erklärtest, dass ein Mantra „mystische Energie eingekapselt in einer Klangstruktur“ ist, und dass „jedes Mantra innerhalb seiner Vibrationen eine bestimmte Kraft enthält“. Du gabst an, von allen Mantras wird das Maha-Mantra (das Hare-Krishna-Mantra) als der einfachste und sicherste Weg zum Erlangen von Gotteserkenntnis im derzeitigen Zeitalter empfohlen“. Welche Erkenntnisse hast Du aus der Praxis mit  Japa-Yoga gewonnen?

George: Prabhupada, Acarya (spiritueller Meister) der Hare-Krishna-Bewegung, hat mir einmal gesagt, wir sollten einfach die ganze Zeit chanten, oder so oft wie möglich. Die Antwort auf das Chanten kommt in der Form von Glück oder spiritueller Freude, was einen viel höheren Geschmack als alles hier in der materiellen Welt zu findende Glück hat. Aus diesem Grund sage ich, je mehr du es machst, desto weniger möchtest du damit aufhören, weil es sich so schön und friedvoll anfühlt.

Mukunda: Was ist am Mantra, das dieses Gefühl von Friede und Freude verursacht?

George: Das Wort Hare ist ein Wort, das die Energie rings um Gott anruft. Wenn du das Mantra oft genug sagst, errichtest du eine Identifikation mit Gott. Gott ist alle Freude, alles Glück, und durch das Chanten Seiner Namen können wir uns mit Ihm verbinden. Somit ist es wirklich der Vorgang, eine tatsächliche Verbindung mit Gott aufzubauen, was alles im erweiteren Status des Bewusstseins klar wird, der sich während des Chantens entwickelt. So wie ich im Vorwort zu Prabhupadas Krishna-Buch vor einigen Jahren schrieb, "Wenn es einen Gott gibt, möchte ich ihn sehen." Es ist witzlos, an etwas ohne Beweis zu glauben, und das Krishna-Bewusstsein und Meditation sind Methoden, mit denen du Gotteswahrnehmung erreichen kannst.

Mukunda: Handelt es sich um einen sofortigen oder allmählichen Vorgang?

George: Du schaffst es nicht in fünf Minuten. Es ist etwas, das Zeit braucht, aber es funktioniert, weil es ein direkter Vorgang des Erreichens von Gott ist und uns helfen wird, reines Bewusstsein und Wahrnehmung Gottes zu erreichen, das über den normalen, alltäglichen Status des Bewusstseins hinausgeht.


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Mukunda: Wie fühlst du dich, wenn du lange Zeit gechantet hast?

George: Bei dem Leben, das ich führe, finde ich manchmal Gelegenheit, wirklich dabei zu bleiben, und je mehr ich das mache, umso schwerer wird es für mich damit aufzuhören, und ich möchte dieses Gefühl nicht verlieren, das es mir gibt. Zum Beispiel habe ich einmal das Hare-Krishna-Mantra auf dem ganzen Weg von Frankreich nach Portugal gechantet, ohne Unterbrechung. Ich fuhr für ungefähr dreiundzwanzig Stunden und habe den ganzen Weg gechantet. Man fühlt sich dann ein bisschen unbesiegbar. Das Lustige an der Sache war, dass ich nichtmal wusste, wohin ich fuhr. Ich meine damit, eine Karte hatte ich gekauft, und grundsätzlich wusste ich schon wo ich war, aber ich konnte kein Französisch, Spanisch oder Portugiesisch sprechen. Doch nichts davon schien etwas auszumachen. Weisst du, sobald du chantest, dann beginnen die Dinge transzendentell zu geschehen.

Mukunda: Die Veden informieren uns, dass Gott absolut ist, es gibt keinen Unterschied zwischen Gottes Person und Seinem Heiligen Namen; der Name ist Gott. Als du das erste Mal zu chanten begannst, konntest du das erkennen?

George: Es erfordert eine gewisse Zeitspanne und Vertrauen, zu akzeptieren oder zu begreifen, dass es keinen Unterschied zwischen Ihm und Seinem Namen gibt, um zu dem Punkt zu kommen, an dem du nicht länger davon verwirrt bist, wo Er ist. Weisst du, so wie „Ist er in der Nähe?“ Du begreifst nach einiger Zeit, „Hier ist Er -genau hier!“ Es ist eine Frage der Übung. Wenn ich also sage, „ich sehe Gott“, meine ich nicht notwendigerweise, dass ich beim Chanten Gott in Seiner ursprünglichen Form sehe, wie er vor fünftausend Jahren kam, über das Wasser tanzend, auf seiner Flöte spielend. Natürlich wäre das auch schön, und es ist auch durchaus möglich. Wenn du durch das Chanten wirklich rein wirst, kannst du Gott tatsächlich so sehen, ich meine als Person. Ganz ohne Zweifel kannst du aber Seine Gegenwart fühlen und weisst, dass Er da ist, wenn du chantest.

Mukunda: Kannst du dich an einen Fall erinnern, an dem du Gottes Gegenwart durch das Chanten sehr stark fühltest?

George: Einmal saß ich in einem Flugzeug, das in einen Gewittersturm geriet. Es wurde dreimal vom Blitz getroffen, und eine Boeing 707 kam über uns und verfehlte uns nur um Zentimeter. Ich dachte, das Hinterteil des Flugzeugs wäre abgerissen. Ich war auf meinem Weg von Los Angeles nach New York, um das Bangladesh-Konzert zu organisieren. Als das Flugzeug anfing herumzuhüpfen, begann ich zu chanten „Hare Krishna, Hare Krishna, Krishna Krishna Hare Hare, Hare Rama, Hare Rama, Rama Rama, Hare Hare. Das Ganze ging über eineinhalb oder zwei Stunden, während das Flugzeug Hunderte vom Metern sank und im Sturm überall herumhüpfte, alle Lichter waren aus und dann all diese Explosionen und jedermann in Panik. Schließlich presste ich die Füße an den Sitz vor mir, den Sitzgurt so fest wie nur möglich, hielt mich an dem Ding fest und schrie Hare Krishna, Hare Krishna, Krishna Krishna Hare Hare mit lauter Stimme. Ich weiss für mich, der Unterschied zwischen Durchkommen oder es nicht zu schaffen bestand tatsächlich im Chanten des Mantras. Peter Sellers schwor ebenfalls, dass ihn das Chanten von Hare Krishna einmal vor einem Flugzeugabsturz bewahrte.




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John Lennon und Hare Krishna

Mukunda: Hat jemand der anderen Beatles gechantet?

George: Bevor ich Prabhupada und euch alle traf, hatte ich das Album gekauft, das Prabhupada in New York gemacht hatte, und John und ich hörten es. Wie ich mich erinnere, sangen es John und ich tagelang mit Ukulele-Banjos, als wir die griechischen Inseln Hare Krishna chantend durchsegelten. Wir sangen es etwa sechs Stunden lang, weil wir nicht aufhören konnten, wenn wir angefangen hatten. Sobald wir aufhörten, war es so, als ob die Lichter ausgingen. Es ging solange weiter, bis unsere Kiefer schmerzten, weil wir das Mantra immer wieder und immer wieder und immer wieder und immer wieder und immer wieder sangen. Wir fühlten uns erhaben; es war für uns eine sehr glückliche Zeit.

Mukunda: Weisst du, neulich sah ich ein Video, dass uns von Kanada zugeschickt wurde, es zeigt John und Yoko Ono beim Aufnehmen ihres Hits „Give Peace a Chance“, fünf oder sechs Gottgeweihte singen in Johns Zimmer im Queen Elizabeth-Hotel in Montreal, sie singen mit und spielen Zimbeln und Trommeln. Weisst du, John und Yoko chanten Hare Krishna in diesem Lied. Das war im Mai 1969, und nur drei Monate später war Srila Prabhupada für einen Monat Johns und Yokos Hausgast in ihrem Anwesen ausserhalb Londons. Als Prabhupada dort war, kamen du, John und Yoko eines Nachmittags für einige Stunden in sein Zimmer. Ich glaube, das war das erste Mal, das ihr ihn alle getroffen habt.

George: Das ist richtig.

Mukunda: Zu diesem Zeitpunkt war John ein spirituell Suchender, und Prabhupade erklärte den wirklichen Pfad zu Frieden und Befreiung. Er sprach über die Ewigkeit der Seele, Karma und Reinkarnation, was ausführlich in der Vedischen Literatur behandelt wird. Die Veden, die älter als die Bibel sind, behandeln alle Aspekte des spirituellen Wissens, von der Natur des Selbst oder der individuellen Seele zur Überseele (Sri Krishna) und Seinem Königreich in der spirituellen Welt. Obwohl John Hare Krishna niemals zu einem großen Bestandteil seines Lebens machte, widerhallt die Philosophie des Krishna-Bewusstseins in einem Hit, den er nur ein Jahr nach dieser Unterhaltung schrieb, „Instant Karma“. Was ist nun der Unterschied zwischen dem Chanten von Hare Krishna und Meditation?

George: Es ist wirklich dasselbe Ding wie Meditation, aber ich denke, es hat einen schnelleren Effekt. Also, sogar wenn du die Perlenkette herunternimmst, kannst du das Mantra immer noch sprechen oder es singen, ohne richtig auf der Perlenkette mitzuzählen. Eine der großen Unterschiede zwischen stiller Meditation und dem Chanten besteht darin, dass stille Meditation ziemlich von der Konzentration abhängt, wenn du dagegen chantest, ist es eher eine direkte Verbindung mit Gott.





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Praktische Meditation


Mukunda: Das Maha-Mantra wurde für moderne Zeiten wegen der schnelllebigen Natur der Dinge heutzutage empfohlen. Selbst wenn die Leute einen etwas ruhigeren Platz aufsuchen, ist es sehr schwer, den Geist für sehr lange zu beruhigen.

George: Das ist richtig. Hare Krishna zu chanten ist eine Form der Meditation, die selbst dann ausgeübt werden kann, wenn der Geist sich in Unruhe befindet. Du kannst es sogar mit anderen Dingen gleichzeitig machen. Darum ist es so schön. In meinem Leben hat das Mantra die Dinge schon oft wieder in Ordnung gebracht. Es hält mich im Takt mit der Realität, und je mehr du an einer Stelle sitzen tust und chantest, je mehr Duftstäbchen du Krishna im selben Raum opferst, je mehr du die Schwingung reinigst, desto mehr kannst du das erreichen, was du zu tun versuchst, nämlich dich einfach nur an Gott, Gott, Gott, Gott, Gott zu erinnern, so oft wie möglich. Und wenn du mit Ihm mittels des Mantras sprichst, wird es bestimmt helfen.

Mukunda: Was hilft dir noch, deinen Geist fest auf Gott zu richten?

George: Nun, ich habe einfach viele Dinge um mich herum, die mich an Ihn erinnern, beispielsweise Räucherstäbchen und Bilder. Neulich sah ich an der Wand meines Studios ein kleines Bild von dir, Gurudasa und Syamasundara, und nur der Anblick all der alten Gottgeweihten brachte mich dazu, an Krishna zu denken. Ich schätze, es ist die Aufgabe von Gottgeweihten, einen dazu zu bringen, an Gott zu denken.

Mukunda: Wie oft chantest du?

George: Sooft ich Gelegenheit dazu habe.


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Mukunda: Einmal hast du Srila Prabhupada über einen bestimmten Vers befragt, den er aus den Veden zitierte, in dem gesagt, wird, wenn jemand den Heiligen Namen von Krishna chantet, dann tanzt Krishna auf der Zunge, und man wünscht, man hätte tausend Ohren und tausend Münder, mit denen man die Heiligen Namen Gottes besser würdigen könnte.

George: Ja. Ich glaube, er sprach über die Erkenntnis, dass kein Unterschied besteht, ob Er vor dir steht oder mit Seinem Namen gegenwärtig ist. Ich habe keinen Zweifel, dass Er kommen und auf der Zunge tanzen kann, wenn man immer wieder Krishna sagt. Die Hauptsache jedoch ist es, in Verbindung mit Gott zu bleiben.

Mukunda: Deine Gewohnheit ist es also, normalerweise die Perlenkette zu benutzen, wenn du chantest?

George: Oh ja. Meine Perlenkette nehme ich. Ich kann mich daran erinnern, dass sie nur große knorrige Klumpen aus Holz waren, als ich sie zuerst bekam, doch nun kann ich voll Freude sagen, dass sie vom vielen Chanten ganz geglättet worden sind.

Mukunda: Behältst du sie normalerweise im Beutel, wenn du chantest?

George: Ja. Ich finde es sehr angenehm, sie zu berühren. Es hält einen weiteren der Sinne auf Gott fixiert. Die Perlenkette hilft in dieser Hinsicht. Weisst du, das Frustrierende am Anfang war, dass es eine Zeit gab, in der ich ziemlich oft chantete und meine Hand die ganze Zeit im Gebetsbeutel hatte. Und ich hatte die Leute so satt, die mich fragten, „Hast du deine Hand verletzt, gebrochen oder irgendwas?“ Am Ende sagte ich gewöhnlich, „Ja. Ja. Ich hatte einen Unfall“, weil es einfacher war, als alles zu erklären. Die Perlenkette zu benutzen hilft mir außerdem, eine Menge nervöser Energie abzubauen.


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Mukunda: Manche Leute sagen, wenn jeder auf dem Planeten Hare Krishna chanten würde, dann wären sie nicht fähig, mit dem Kopf bei dem zu bleiben, das sie tun. In anderen Worten, wenn jeder zu chanten anfangen würde, fragen sich manche Leute, ob nicht die ganze Welt zu einem Stillstand kommen würde. Sie fragen sich beispielsweise, ob die Leute in den Fabriken aufhören würden zu arbeiten.

George: Nein. Chanten hält dich nicht davon ab, kreativ oder produktiv zu sein. Tatsächlich hilf es einem beim Konzentrieren. Ich denke, das wäre ein großartiger Sketch für das Fernsehen: stell dir all die Arbeiter am Fließband bei Ford in Detroit vor, alle Hare Krishna Hare Krishna chantend, während sie die Räder anschrauben. Nun, das wäre wundervoll. Es könnte der Autoindustrie helfen, und wahrscheinlich gäbe es auch anständigere Autos.


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Gotteserfahrung durch die Sinne


Mukunda: Wir haben viel über Japa oder das persönliche Chanten gesprochen, womit sich die meisten Chanter beschäftigen. Aber es gibt eine andere Art, genannt Kirtana, wenn jemand mit anderen zusammen in einem Tempel oder auf den Straßen mit einer Gruppe von Gottgeweihten chantet. Kirtana gibt im Allgemeinen einen eher aufgeladenen Effekt, so als ob man die spirituellen Batterien auflädt, und es gibt anderen die Gelegenheit, die Heiligen Namen zu hören und gereinigt zu werden. Tatsächlich war ich bei Srila Prabhupada, als er zuerst 1966 im Tompkins Square Park in New Yorks Lower East Side mit dem Chanten in der Gruppe begann. Der Poet Allen Ginsberg pflegte zu kommen und mit uns viel zu chanten und auf seinem Harmonium zu spielen. Viele Leute pflegten zu kommen, um das Chanten zu hören, und dann pflegte Prabhupada zurück im Tempel Lesungen über die Bhagavad-Gita zu halten.

George: Ja, wenn man zu einem Tempel geht oder mit einer Gruppe anderer Leute chantet – die Schwingung ist so viel stärker. Natürlich ist es für einige Leute einfacher, inmitten einer Menge nur auf der Perlenkette zu chanten anzufangen, während sich dagegen andere Leute beim Chanten im Tempel wohler fühlen. Ein Teil des Krishna-Bewusstseins ist es aber, alle Sinne von allen Leuten einzustimmen: Gott mit allen Sinnen zu erfahren, Ihn nicht nur ausschließlich am Sonntag durch die Knie mittels Hinknien auf irgendeiner harten hölzernen Kniebank in der Kirche zu erfahren. Wenn du aber einen Tempel besuchst, kannst du Bilder von Gott sehen, du kannst die Bildgestalt Gottes sehen und du kannst Ihn einfach hören, indem du dir selber und anderen beim Aufsagen des Mantras zuhörst. Es ist lediglich ein Weg, um zu erkennen, dass alle Sinne zu Gott hingewendet werden können, und das macht es so viel anziehender, wenn man die Bilder ansieht, das Mantra hört, den Räucherduft riecht, die Blumen und so fort. Das ist das Schöne an deiner Bewegung. Es bezieht alles mit ein – chanten, tanzen, Philosophie und Prasadam. Die Musik und das Tanzen sind auch ein wichtiger Bestandteil des Vorgangs. Es ist nicht nur etwas, um überschüssige Energie zu verbrennen.

Mukunda: Wenn wir in den Straßen chanten, sehen wir immer, dass die Leute stehenbleiben und zuhören. Viele tappen mit den Füßen oder tanzen vor sich hin.

George: Der Klang der Karatalas (Zimbeln) ist großartig. Wenn ich sie einige Häuserblöcke entfernt höre, ist es wie ein magisches Ding, das etwas in mir erweckt. Ohne dass ihr wirkliches Selbst mitbekommt was passiert, werden Leute spirituell erweckt. In einem anderen Sinn, oder in einem höheren Sinn, geht Kirtana natürlich immer weiter, ob wir es nun hören oder nicht. An jeder Ecke westlicher Städte ist die Sankirtana-Party zu einem gewohnten Anblick geworden. Ich sehe diese Sankirtana-Parties so gerne, weil ich den ganzen Gedanken der Gottgeweihten liebe, die sich unter die Leute mischen und so jedem die Gelegenheit zur Rückbesinnung geben. Im Vorwort zum Krishna-Buch schrieb ich, „Jeder sucht nach Krishna. Manche erkennen nicht, dass sie es tun, aber sie tun es. Krishna ist Gott.. und mit dem Chanten Seiner Heiligen Namen entwickelt der Gottgeweihte sehr rasch Gottesbewusstsein.“


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Mukunda: Weisst du, Srila Prabhupada hat oft gesagt, nachdem eine große Anzahl von Tempeln gegründet worden sind, werden viele Leute das Chanten von Hare Krishna im eigenen Zuhause beginnen, und wir sehen immer mehr, dass genau das passiert. Unsere weltweite Gemeinde ist sehr groß, im Millionenbereich. Das Chanten auf den Straßen, die Bücher und die Tempel sind dazu da, den Leuten einen Anfang zu bieten, um sie in das Verfahren einzuführen.

George: Meiner Ansicht nach ist es besser, dass es sich nun in die Eigenheime verbreitet. Weisst du, es gibt eine Menge von „Rückzugs-Krishnas“. Eine Menge Leute da draußen warten einfach nur, und wenn es nicht heute ist, wird es morgen oder nächste Woche oder nächstes Jahr sein. Damals in den Sechzigern tendierten wir dazu, es so laut wie wir konnten zu verkünden, egal in was wir damit hineingerieten. Ich hatte bestimmte Erkenntnisse und durchlebte eine Periode, in der ich über meine Entdeckungen und Erkenntnisse so begeistert war, dass ich laut schreien und es jedem erzählen wollte. Jedoch gibt es eine Zeit, zu der man es herausschreit, und eine Zeit, zu der man es nicht herausschreit. Eine Menge Leute gingen in den Siebzigern mit ihrem spirituellen Leben in den Untergrund, aber sie sind immer noch da draußen in kleinen Winkeln und Ecken und auf dem Land, Leute die normal aussehen und sich normal kleiden, Versicherungsvertretertypen, aber tatsächlich sind sie Meditierende und Chanter, zurückgezogene Gottgeweihte. Prabhupadas Bewegung macht es ziemlich gut. Sie wächst wirklich wie ein loderndes Feuer. Wie lange es brauchen wird, bis wir ein Goldenes Zeitalter erreichen, in dem jeder perfekt mit Gottes Willen in Einklang ist, weiss ich nicht; aber wegen Prabhupada hat sich das Krishna-Bewusstsein in den letzten sechzehn Jahren bestimmt mehr verbreitet, als es das seit dem sechzehnten Jahrhundert getan hat. Das Mantra hat sich schneller verbreitet, und die Bewegung ist größer und größer geworden. Es wäre großartig, wenn jedermann chanten würde. Jeder der es macht, würde seinen Nutzen daraus ziehen. Egal wieviel Geld du hast, es macht dich nicht notwendigerweise glücklich. Du musst deinen Frieden mit deinen Problemen finden, dir nicht zuviel Sorgen über sie machen, und Hare Krishna, Hare Krishna, Krishna Krishna, Hare Hare chanten.







Hare Krishna Mantra Single







Die Hare-Krishna-Platte


Mukunda: 1969 hast du eine Single genannt „Das Hare-Krishna-Mantra“ veröffentlicht, die schließlich in vielen Ländern zu einem Hit wurde. Dieser Titel wurde später zum Radha-Krishna-Tempel-Album dazugeschnitten, das du auch auf dem Apple-Label produziert hast und was später von Capitol Records in Amerika verbreitet wurde. Viele Leute im Musikgeschäft waren davon überrascht, dass du für die Hare Krishnas Lieder produziert und mit ihnen gesungen hast. Warum hast du das gemacht?

George: Nun, das ist alles nur ein Teil des Dienstes, oder? Es als spirituellen Dienst zu versuchen, das Mantra über die ganze Welt zu verbreiten. Außerdem als Versuch, den Gottgeweihten in England und überall sonst ein breiteres Fundament und einen festen Stand zu verschaffen.

Mukunda: Wie kann man den Erfolg dieser Aufnahme von Hare-Krishna-Gottgeweihten mit einigen der Rockmusiker vergleichen, die du zu selben Zeit produziertest, wie Jackie Lomax, Splinter und Billy Preston?

George: Das war etwas ganz anderes. Damit hatte es wirklich nichts zu tun. Es gab viel mehr Gründe, es zu machen. Es war weniger kommerzielles Potential enthalten, aber es war viel befriedigender, es zu tun, wenn man all die Möglichkeiten kannte, die es erschaffen würde, und die Bedeutung, die es erhalten würde, einfach nur durch ein dreieinhalbminütiges Mantra.


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Mukunda: Was denkst du, welchen Effekt hatte diese Melodie „The Hare Krishna Mantra“, die Millionen und Abermillionen von Menschen erreichte, auf das kosmische Bewusstsein der Welt?

George: Ich möchte meinen, es hatte schon eine Auswirkung. Immerhin ist dieser Klang Gott.

Mukunda: Als die Plattenfirma Apple eine Pressekonferenz zur Vorstellung der Platte einberief, schienen die Medien bestürzt zu sein, dich über die Seele sprechen zu hören, und darüber, dass Gott so wichtig ist.

George: Ich meinte, es war wichtig zu versuchen, ganz genau zu sein, es ihnen zu sagen und es sie wissen zu lassen. Weisst du, aus dem Rückzugsversteck herauszukommen und es ihnen wirklich zu sagen. Denn wenn du etwas begriffen hast, kannst du nicht sagen, du wüsstest es nicht mehr. Ich zählte diese Zeit zum Raumzeitalter, mit Flugzeugen und all dem. Wenn jedermann auf der ganzen Welt Urlaub machen kann, gibt es keinen Grund, warum nicht auch ein Mantra genauso einige Meilen zurücklegen kann. Die Idee war also, es zu versuchen, gewissermaßen spirituell in die Gesellschaft einzudringen. Nachdem ich Apple Records von euch überzeugt hatte, die Aufnahme veröffentlicht war und eure große  Werbeaktion vorüber war, sahen wir, dass es ein Erfolg werden würde. Und es war tatsächlich eines der größten und begeisterndsten Dinge in meinem Leben, euch alle bei BBC in Top of the Pops zu sehen. Ich konnte es nicht glauben. Es ist ziemlich schwer, in dieses Programm zu kommen, weil sie einen nur hereinnehmen, wenn man es die Top 20 schafft. Es war einfach wie eine Brise frischer Luft. Mein Plan war, es bei einer dreieinhalbminütigen Version des Mantras zu belassen, damit sie es im Radio spielen würden, und das hat funktioniert. Ich machte die Spuren für Harmonium und Gitarre in den Abbey Road-Studios vor einer der Beatles-Sitzungen und spielte einen Bassteil dazu. Ich weiss noch, wie Paul McCartney und seine Frau Linda im Studio ankamen und das Mantra genossen.

Mukunda: Paul ist jetzt recht positiv eingestellt, weisst du.

George: Das ist gut. Es hört sich immer noch wie eine ziemlich gute Aufnahme an, selbst nach all den Jahren. Es war wirklich der allergrößte Spaß, Krishna bei Top of the Pops zu sehen.


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Mukunda: Kurz nach seiner Veröffentlichung sagte mir John Lennon, dass sie es als Übergang gespielt hatten, genau bevor Bob Dylan das Isle of Wight-Konzert mit Jimi Hendrix, den Moody Blues und Joe Cocker im Sommer 1969 gab.

George: Sie spielten es, während sie die Bühne für Bob herrichteten. Es war großartig. Außerdem war es eine eingängige Melodie, und die Leute mussten nicht die Bedeutung wissen, um es genießen zu können. Ich habe mich sehr gut gefühlt, als ich dann zuerst hörte, dass es gut gelaufen ist.

Mukunda: Was hieltst du von der Aufnahme und den Stimmen in technischer Hinsicht?

George: Yamuna, die erste Sängerin, hat eine natürliche gute Stimme. Ich mochte es, wie sie mit Überzeugung sang, und sie sang so, als ob sie es schon oft zuvor gesungen hätte. Es hörte sich nicht wie die erste Melodie an, die sie jemals gesungen hatte. Weisst du, ich pflegte schon lange das Mantra zu singen, bevor ich irgendeinen Gottgeweihten oder Prabhupada traf, weil ich seine erste Aufnahme dann schon seit mindestens zwei Jahren besaß. Wenn du für etwas offen bist, wirkt das wie ein Signalfeuer, und du ziehst es an. Bereits seit ich zum ersten Mal das Chanten hörte, wurde irgendwo in meinem Unterbewusstsein eine Tür geöffnet, vielleicht aus irgendeinem früheren Leben.


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Mukunda: Im Text zum Lied „Awaiting on You All“ auf dem „All Things Must Pass“-Album sagst du den Leuten geradeheraus, dass sie durch das Chanten der Namen Gottes vom Leben in der materiellen Welt befreit werden können. Was hat dich dazu veranlasst? Welche Art von Rückkopplung bekamst du?

George: Zu dieser Zeit fühlte sich niemand in der Popwelt dieser Art von Musik verpflichtet. Ich fühlte, dass ein echter Bedarf dafür vorlag, und anstelle dazusitzen und auf jemand anderen zu warten, entschied ich mich dafür, es selber zu tun. Oftmals denken wir „Nun ja, ich stimme dir zu, aber ich werde nicht wirklich dafür aufstehen und mich mitzählen lassen. Zu riskant.“ Jeder versucht immer, sich selbst bedeckt zu halten, kommerziell zu bleiben, also dachte ich, mach es einfach. Niemand anders macht es sonst, und ich kann es nicht mehr ertragen mitanzusehen, wie die jungen Leute herumhängen und ihr Leben verschwenden, weisst du. Außerdem fühlte ich, dass so eine Menge Leute da draussen erreicht werden könnten. Ich bekomme immer noch Briefe von Leuten, die schreiben „Ich bin nun seit drei Jahren im Krishna-Tempel, und ich hätte niemals über Krishna erfahren, wenn du nicht das All Things Must Pass-Album aufgenommen hättest." So weiss ich nun dank Gottes Barmherzigkeit, dass ich ein kleiner Teil im kosmischen Spiel bin.


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Mukunda: Wie steht es mit den anderen Beatles? Was dachten sie darüber, dass du mit Krishna-Bewusstsein begannst? Wie war ihre Reaktion? Ihr wart damals alle in Indien stark auf der Suche nach etwas Spirituellem. Syamasundara sagte einmal, als er mit dir und den anderen Beatles zu Mittag ass, waren alle sehr respektvoll.

George: Oh ja, nun, wenn die Fab Four es nicht verstanden hätten, das heißt wenn sie nicht mit kahlköpfig rasierten Hare Krishnas hätten umgehen können, dann hätte es keine Hoffnung gegeben! [Gelächter] Und die Gottgeweihten kamen nur, um Verbindung mit mir zu haben, daher hörten die Leute auf zu denken, „He, was ist das denn?“, weisst du, wenn jemand Orangefarbenes mit rasiertem Kopf erschien. Sie sagten, „Oh ja, die sind bei George“.

Mukunda: Bereits ganz zu Beginn fühltest du dich zwischen den Gottgeweihten wohl?

George: Als ich Syamasundara das erste Mal traf, mochte ich ihn. Er war mein Freund. Ich hatte über Prabhupada gelesen, der von Indien nach Boston auf dem Rücken seiner Aufnahme reiste, und ich wusste, dass Syamasundara und ihr alle anderen in meiner Altersgruppe wart, und dass der einzigste Unterschied wirklich nur darin bestand, dass ihr bereits beigetreten wart und ich nicht. Ich war in einer Rockgruppe, aber ich hatte keine Angst, weil ich Dhotis, eure Roben, die Safranfarbe und kahle Köpfe in Indien gesehen hatte. Krishna-Bewusstsein war für mich ganz besonders gut, weil ich nicht das Gefühl bekam, meinen Kopf rasieren zu müssen, in einen Tempel ziehen zu müssen und es in Vollzeit ausüben zu müssen. Ich konnte immer noch Musiker sein, aber ich habe mein Bewusstsein geändert, das ist alles.

Mukunda: Wie du weisst, hat sich der Tudor-Landsitz außerhalb von London, den du uns gabst, zu einem unserer größten internationalen Zentren entwickelt. Wie empfindest du den Erfolg von Bhaktivedanta Manor bei der Verbreitung von Krishna-Bewusstsein?

George: Oh, er ist großartig. Und es steht auch in Verbindung mit der Produktion der Hare-Krishna-Aufnahme, oder was auch immer meine Beteiligungen waren. Tatsächlich bereitet mir die Vorstellung Vergnügen, dass ich glücklich genug war, zu dieser Zeit helfen zu können. All diese Lieder mit spirituellen Themen waren wie kleine Funken - „My Sweet Lord“ und die anderen. Und nun weiss, ich, dass die Leute viel respektvoller sind und es akzeptieren, wenn sie durch Zufall die Gottgeweihten in den Straßen sehen, und das Drumherum. Es ist nicht länger wie etwas, das aus dem linken Spektrum kommt. Außerdem habe ich viele von Prabhupadas Büchern an viele Leute verteilt, und egal ob ich nochmals von ihnen höre oder nicht, es ist gut zu wissen, dass sie sie haben, und wenn sie sie lesen, könnte sich ihr Leben verändern.

Mukunda: Wenn du auf Leute triffst, die spirituelle Neigungen haben, aber nicht sehr viel Wissen, welchen Ratschlag gibst du ihnen?

George: Ich versuche ihnen ein klein wenig zu erzählen, was meine Erfahrung ist, und lasse ihnen die Wahl, darüber zu lesen und die Wahl, zu welchem Ort sie gehen, so ähnlich wie etwa „Geh zum Tempel und versuche zu chanten“, weisst du.

Mukunda: In der „Ballade von John und Yoko“ rappten John und Yoko die Medien auf eine Art, mit der ein falsches Bild von dir entstehen kann, und verewigten es. Es wird oft verwendet, und es ist anstrengend, ihnen zu verstehen zu geben, das wir eine ursprüngliche Religion sind mit Schriften, die dreitausend Jahre älter sind als das Neue Testament. Allmählich beschäftigten sich jedoch mehr Leute, Wissenschaftler, Philosophen und Theologen damit, und heute haben sie eine Menge Respekt vor der überlieferten Vaisnava-Tradition, in der die moderne Bewegung für Krishna-Bewusstsein ihre Wurzeln hat.

George: Die Medien sind für alles verantwortlich zu machen, für all die falsche Vorstellungen über die Bewegung, aber in gewisser Hinsicht macht es nichts aus, ob sie darüber als gut oder schlecht berichteten, weil das Krishna-Bewusstsein anscheinend immer diese Barriere transzendierte. Die Tatsache, dass die Medien den Leuten über Krishna berichteten, war in sich gut.

Mukunda: Srila Prabhupada hat uns immer eingeschärft, bei unseren Prinzipien zu bleiben. Er sagte, das Schlimmste, was wir überhaupt machen könnten, wäre eine Art von Kompromiss zu machen oder die Philosophie als Preis für billige Popularität zu verdünnen. Obwohl viele Swamis und Yogis aus Indien in den Westen gekommen sind, war Prabhupada der einzige mit der Reinheit und Hingabe, um Indiens uralte Krishna-Philosophie über die ganze Welt in ihrer ureigenen Form verbreiten zu können – nicht verwässert, sondern so wie sie ist.

George: Das ist richtig. Er war das perfekte lebendige Beispiel für das, was er predigte.

Mukunda: Wie denkst du über das Finanzieren der Erstauflage des Krishna-Buchs und das Schreiben des Vorworts?

George: Ich fühlte einfach, das sei Teil meiner Aufgabe, weisst du. Wo auch immer ich in der Welt hinkomme, wenn ich Gottgeweihte sehe, sage ich immer „Hare Krishna!“ zu ihnen, und sie freuen sich immer, mich zu sehen. Es ist eine schöne Beziehung. Ob sie mich nun wirklich persönlich kennen oder nicht, sie fühlen, dass sie mich kennen. Und das tun sie tatsächlich.

Mukunda: Als du das "Material World"-Album aufnahmst, verwendetest du innenliegend ein Foto von der Frontseite von Prabhupadas Bhagavad-gita, das Krishna und Seinen Freund und Schüler Arjuna zeigt. Weshalb?

George: Oh ja. Auf dem Album stand „Von der Vorderseite der Bhagavad-gita Wie Sie Ist von A.C. Bhaktivedanta Swami". Es war natürlich eine Werbung für euch. Ich wollte allen die Chance geben, Krishna zu sehen, über ihn zu erfahren. Ich meine, dass ist der ganze Plan, oder nicht?



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Spirituelles Essen

Mukunda: Beim heutigen Mittagessen sprachen wir ein wenig über Prasadam, vegetarisches Essen, das durch das Opfern für Krishna spiritualisiert wird. Viele Leute sind durch Prasadam zum Krishna-Bewusstsen gekommen. Ich meine, dass dieser Vorgang die einzigste Art von Yoga ist, die man tatsächlich durch Essen ausüben kann.

George: Nun, tatsächlich sollen wir versuche, Gott in allem zu sehen. Ganz ehrlich, wenn Gott in allem ist, warum solltest du Ihn nicht schmecken, wenn du isst? Ich glaube, Prasadam ist eine sehr wichtige Sache. Krishna ist Gott, also ist Er absolut: Sein Name, Seine Form, Prasadam, all das ist Er. Man sagt, der Weg zum Herzen eines Menschen führt über seinen Magen, wenn man also über seinen Magen zur Seele eines Menschen gelangen kann, warum sollte man das nicht machen? Es gibt nichts Besseres  als zu chanten und zu tanzen, oder nur zu sitzen und über Philosophie zu reden, und dann bringen plötzlich die Gottgeweihten das Prasadam. Es ist eine Gnade Krishnas und spirituell wichtig. Der Gedanke ist, dass Prasadam das Sakrament ist, über das die Christen reden, aber anstelle nur eine Oblate zu sein, ist es in Wirklichkeit ein ganzes Festmahl, und der Geschmack ist so gut – nicht von dieser Welt. Prasadam ist auch ein kleiner Rettungsanker in diesem Zeitalter der Kommerzialität. Wenn die Leute etwas anderes wollen oder sie etwas Besonderes haben müssen, wird Prasadam ihnen das bieten. Es hat ohne Zweifel großen Anteil daran, viel mehr Leute in das spirituelle Leben miteinzubeziehen. Es hebt außerdem Vorurteile auf. Weil sie denken: „Nun ja, ich hätte gerne gerne irgendein Getränk oder ein Häppchen davon“, dann fragen sie, „Was ist das?“ und dann „Nun ja, es ist Prasadam“. Somit lernen sie einen weiteren Aspekt des Krishnabewussteins. Und sie sagen „Es schmeckt tatsächlich ziemlich gut. Habt ihr noch einen anderen Teller?“ Ich habe das schon bei vielen Leuten gesehen. Vielleicht waren sie ein wenig voreingenommen, aber das nächste was man sieht ist, dass sie sich in Prasadam verlieben, und wenn sie schließlich aus dem Tempel, denken „So schlecht sind sie eigentlich gar nicht“.

Mukunda: Die Vedische Literatur enthüllt, dass Prasadam spirituelle Erkenntnis weitergibt, so wie es das Chanten macht, aber in einer weniger offensichtlichen oder auffallenden Weise. Man macht spirituellen Fortschritt, indem man es isst.

George: Aus meiner Erfahrung würde ich sagen, dass es mit Bestimmtheit funktioniert. Ich habe das Prasadam viel mehr genossen, wenn ich im Tempel war oder wenn ich tatsächlich mit Prabhupada zusammensaß, als wenn es mir irgendjemand brachte. Manchmal kannst du mit Prasadam sitzen und feststellen, dass drei oder vier Stunden vergangen sind, ohne dass du es gemerkt hast. Prasadam hat mir wirklich viel geholfen, weil du zu erkennen beginnst „Jetzt schmecke ich Krishna.“ Dir wird plötzlich ein anderer Aspekt von Gott bewusst, nämlich zu verstehen, dass Er diese kleinen Samosas ist. Es ist alles eine Frage der Einstimmung zum Spirituellen, und Prasadam ist ein sehr reeller Teil von all dem.

Mukunda: Weisst du, eine Menge Gruppen wie  Grateful Dead oder Police bekommen Prasadam hinter der Bühne, bevor ihre Konzerte beginnen. Sie lieben es. Es ist bei uns eine alte Tradition. Ich kann mich erinnern, einmal Prasadam zu einer Beatles-Aufnahmesitzung geschickt zu haben. Deine Schwester sagte mir heute, als ihr das Bangladesh-Konzert gabt, hat euch Syamasundara gewöhnlich während der Proben Prasadam gebracht.

George: Ja, dafür hat er sogar eine Erwähnung auf der Albenhülle bekommen.

Mukunda: Welche Arten Prasadam magst du am liebsten, George?

George: Ich mag ganz arg diese fritierten Blumenkohlsachen – Pakoras?

Mukunda: Ja.

George: Und was ich auch immer mochte, war Rasamalai [eine Süßigkeit aus Milch]. Und da gibt es genauso noch eine Menge guter Getränke, Fruchtsäfte und Lassi, die Joghurtgetränke mit Früchten gemixt, und mit etwas Rosenwasser.

Mukunda: Du bist seit Jahren Vegetarier, George. Hattest du irgendwelche Schwierigkeiten, das beizubehalten?

George: Nein. Tatsächlich wurde ich schlauer und stellte sicher, dass ich jeden Tag Dal, Bohnensuppe oder Ähnliches bekam. Tatsächlich sind Linsen eines der billigsten Dinge, aber sie geben dir Proteine. Die Leute übertreiben es einfach, wenn sie hergehen und Rindersteak kaufen, das sie mit Krebs und Herzproblemen umbringt. Das Zeug kostet außerdem ein Vermögen. Für die Kosten eines halben Dutzend Filets könntest du mit Linsensuppe tausend Leute verköstigen. Macht das Sinn?

Mukunda: Eines der Dinge, die wirklich einen tiefgreifenden Einfluß auf die Leute haben, wenn sie die Tempel besuchen oder unsere Bücher lesen, sind die Gemälde und Skulpturen unserer Gottgeweihten-Künstler, die Szenen aus Krishnas Spielen darstellen, als Er vor fünftausend Jahren auf der Erde erschien. Prabhupada sagte einmal, dass diese Gemälde „Fenster zur spirituellen Welt“ sind, und er organisierte eine Künstlerakademie, um seine Schüler in den Techniken des Erschaffens transzendentaler Kunst auszubilden. Mittlerweile haben zehntausende Leute diese Gemälde hängen, entweder die Originale, Lithographien, Leinwanddrucke oder Poster. Du warst in unserem multimedialen Bhagavad-gita-Museum in Los Angeles. Welchen Eindruck machte es auf Dich?

George: Ich dachte, das ist großartig – besser als Disneyland, wirklich. Damit meine ich, es ist genauso wertvoll wie das, und auch wie das Smithsonian-Institut in Washington. Die Diorama-Skulpturen sehen großartig aus, und die Musik ist schön. Es gibt den Leuten ein echtes Gefühl, wie das Königreich Gottes sein dürfte, und viel grundlegender als das zeigt es in einer Art und Weise, die selbst ein Kind genau verstehen kann, wie sich der Körper von der Seele unterscheidet, und dass die Seele die entscheidende Sache ist. Ich habe immer Bilder wie das von Krishna auf dem Streitwagen bei mir, das ich in das Material World-Album aufgenommen habe, und ich habe die Siva-Brunnen-Skulptur des Bhagavad-gita-Museums, da George fragte, ob die Künstler und Bildhauer, die das Museum gemacht haben, einen lebensgroßen Brunnen von Lord Siva, einem der wichtigesten Hindu-Halbgötter und großen Gottgeweihten von Lord Krishna, formen könnten. Lord Siva in einer meditativen Haltung, zusammen mit einem Wasserstrahl, der aus seinem Mund sprudelt, hält sich nun im Garten von George's Anwesen auf, geehrt als einer der schönsten in ganz England. Die Gottgeweihten haben ihn für mich in meinem Garten geschaffen. Bilder sind hilfreich, wenn ich chante. Du kennst dieses Gemälde in der Bhagavad-gita mit der Überseele im Herzen des Hundes, der Kuh, des Elefanten, des armen Mannes und des Priesters? Das hilft einem sehr gut zu erkennen, dass Krishna im Herzen eines jeden wohnt. Es spielt keine Rolle, welche Art von Körper du hast, der Herr ist dort bei dir. Wir sind wirklich alle dasselbe.






("While My Guitar Gently Weeps" bei YouTube)







Treffen mit Srila Prabhupada


Mukunda: George, du und John Lennon habt euch mit Srila Prabhupada getroffen, als er in John's Haus wohnte, im September 1969.

George: Ja, aber als ich ihn das erste Mal traf, habe ich ihn unterschätzt. Ich erkannte es damals nicht, aber ich sehe nun, dass durch ihn das Mantra in den letzten 16 Jahren so weit verbreitet wurde, mehr als in den letzten fünfhundert Jahren. Das ist ziemlich beeindruckend, weil er älter und älter wurde und doch die ganze Zeit seine Bücher schrieb. Später wurde mir klar, dass er viel unglaublicher war, als man oberflächlich sehen konnte.

Mukunda: Was ist das Herausragendste, das dir über ihn einfällt?

George: Was immer bleibt, ist sein Spruch „Ich bin der Diener des Dieners des Dieners.“ Das gefällt mir. Viele Leute sagen, „Ich bin es. Ich bin die göttliche Inkarnation. Ich bin hier, lass mich dich beherrschen.“ Weisst du was ich meine? Aber Prabhupada war niemals so. Ich mochte Prabhupadas Bescheidenheit. Ich mochte immer seine Freundlichkeit und Einfachheit. Der Diener des Dieners des Dieners beschhreibt es, wie es  wirklich ist, weisst du. Niemand von uns ist Gott – wir sind nur Seine Diener. Er gab mir einfach ein so gutes Gefühl. Ich fühlte mich in seiner Gegenwart immer sehr entspannt, und mehr wie ein Freund. Ich fühlte, dass er ein guter Freund war. Obwohl er zu dieser Zeit neunundsiebzig Jahre alt war, arbeitete er praktisch die ganze Nacht durch, Tag für Tag, mit sehr wenig Schlaf, und obwohl er ein sehr gut ausgebildeter Intellektueller war, gab er sich nicht als solcher aus, weil er eine Art von kindgleicher Einfachheit besaß. Was ich großartig finde, fantastisch. Obwohl er der größte Sanskritgelehrte und ein Heiliger war, schätzte ich die Tatsache, dass er mir nie ein unbequemes Gefühl gab. Tatsächlich kam er immer aus sich heraus, damit ich mich wohlfühlte. Ich dachte an ihn immer wie an einen liebenswerten Freund, und heute ist er immer noch ein liebenswerter Freund.

Mukunda: In einem seiner Bücher sagte Prabhupada, dass dein aufrichtiger Dienst besser wäre als der mancher Leute, die das Krishna-Bewusstsein tiefer erforscht haben, aber diesen Grad der Hingabe nicht beibehalten konnten. Wie war dein Gefühl darüber?

George: Ganz wundervoll, wirklich. Ich meine, es gab mir wirklich Hoffnung, weil, wie gesagt wird, selbst ein Moment in der Gemeinschaft einer göttlichen Person, Krishnas purem Geweihten, kann ungeheuer hilfreich sein. Und ich glaube, Prabhupada war wirklich von der Idee angetan, dass jemand von außerhalb des Tempels half, das Album zu machen. Allein die Tatsache, dass er davon angetan war, ermutigte mich. Ich wusste, dass er die „The Hare Krishna Mantra“-Aufnahme mochte, und er bat die Gottgeweihten, das Lied „Govinda“ abzuspielen. Sie spielen es immer noch ab, nicht war?

Mukunda: Jeder Tempel hat eine Aufnahme davon, und wir spielen es jeden Morgen vor dem Kirtana, wenn sich die Gottgeweihten vor dem Altar versammeln. Man könnte sagen, es ist zu einer ISKCON-Institution geworden.

George: Und falls ich keine Rückmeldung von Prabhupada zu meinen Liedern über Krishna oder die Philosophie bekam, dann bekam ich sie von den Gottgeweihten. Das war alles an Ermutigung, was ich wirklcih brauchte. Es schien einfach, dass ihm alles Spirituelle, was ich entweder durch Lieder oder durch Mithilfe bei der Bücherveröffentlichung machte, wirklich Freude bereitete. Das Lied in „Living in the Material World“, wie ich in I, Me Mine [meiner Biographie] geschrieben habe, war durch Srila Prabhupada beeinflusst. Er ist derjenige, der mir erklärte, in welcher Weise wir nicht diese physischen Körper sind. Wir sind nur zufällig in ihnen. Wie ich in diesem Lied sagte, ist das hier nicht das wirkliche Geschehen. Wir gehören nicht hierher, sondern in den spirituellen Himmel:
· As l’m fated for the material world - Get frustrated in the material world - Senses never gratified - Only swelling like a tide - That could drown me in the material world [Weil ich vom Schicksal für die materielle Welt bestimmt bin -  Frustriert werde in der materiellen Welt - Die Sinne werden niemals zufriedengestellt - Sie schwellen nur an wie eine Flut - Die mich in der materiellen Welt untergehen lassen kann]
Der ganze Grund des Hierseins besteht tatsächlich darin, einen Weg zum Herauskommen zu finden. Siehst du, das war das Wissen über Prabhupada. Er sprach nicht einfach nur über die Liebe zu Krishna und über das Entkommen von diesem Ort, sondern er war das perfekte Beispiel. Er sprach darüber, immer zu chanten, und er chantete immer. Ich glaube, das war in sich gesehen vielleicht das Ermutigendste für mich. Es war genug, es mich stärker versuchen zu lassen, nur ein klein wenig besser zu werden. Er war das perfekte Beispiel von allem, das er predigte.

Mukunda: Wie würdest du Srila Prabhupadas Leistungen beschreiben?

George: Ich denke, Prabhupadas Beiträge sind sehr bedeutend; sie sind riesig. Selbst wenn man es mit jemandem wie William Shakespeare vergleicht, ist die Menge an Literatur, die Prabhupada produzierte, wirklich erstaunlich. Das hältst du im Kopf nicht aus. Manchmal verbrachte er Tage mit nur wenigen Stunden Schlaf. Ich meine, selbst eine jugendliche, athletische junge Person könnte dieses Tempo nicht durchhalten, das er im Alter von neunundsiebzig Jahren vorlegte. Srila Prabhupada hat die Welt bereits erstaunlich beeinflusst. Es gibt keine Möglichkeit, das zu ermessen. An einem Tag erkannte ich einfach, „Gott, dieser Mann ist erstaunlich!“ Er pflegte die ganze Nacht wach zu sitzen und Sanskrit in das Englische zu übersetzen und Anmerkungen zu schreiben, um sicherzustellen, dass es jeder versteht, und doch tat er nie so, als sei er jemand über dir. Er hatte stets diese kindgleiche Einfachheit, und am erstaunlichsten ist die Tatsache, dass er all diese Übersetzungen in solch einer relativ kurzen Zeit machte -nur in wenigen Jahren. Und ohne mehr als sein eigenes Krishna-Bewusstsein zu haben, versammelte er all diese Tausende von Gottgeweihten, brachte die ganze Bewegung zum Laufen, die so stark wurde, dass sie selbst nach seinem Tod weiterging. Und sie wächst auch heute noch in unglaublicher Geschwindigkeit. Mit dem Wissen, das er verbreitete, wird es immer weiter und weiter gehen. Es kann nur immer weiter wachsen. Je mehr Leute spirituell erwachen, desto mehr werden sie die Tiefe dessen begreifen, was Prabhupada sagte – wie viel er gab.

Mukunda: Wusstest du, das komplette Ausgaben von Prabhupadas Büchern in allen großen Akademien und Universitäten der Welt stehen, eingeschlossen Harvard, Yale, Princeton, Oxford, Cambridge und an der Sorbonne?

George: Das sollten sie! Eines der größten Dinge, die ich an Prabhupada bemerkte, war die Art, mit der er zu dir in Englisch sprach, und dann pflegte er ganz plötzlich etwas zu dir in Sanskrit zu sagen und übersetzte es dann in das Englische zurück. Es war klar, dass er es wirklich gut konnte. Sein Beitrag in literarischer Hinsicht ist ganz offensichtlich enorm, weil er die Höchste Persönlichkeit, Krishna, mehr in den Mittelpunkt gebracht hat. Viele Gelehrte und Schriftsteller kennen die Gita, aber nur auf einer intellektuellen Ebene. Selbst wenn sie schreiben, „Krishna sagt...“, tun sie es nicht mit der Bhakti oder Liebe, die dazu notwendig ist. Das ist das Geheimnis, weisst du – Krishna ist tatsächlich eine Person, die der Herr ist und auch dort in diesem Buch erscheinen wird, wenn es dort diese Liebe, diese Bhakti gibt. Du kannst das Erste an Gott nicht verstehen, solange du ihn nicht liebst. Diese großen sogenannten Vedischen Gelehrten – sie lieben Krishna nicht notwendigerweise, daher können sie Ihn nicht verstehen und Ihn uns nicht geben. Aber Prabhupada war anders.

Mukunda: Die Vedischen Schriften sagten voraus, dass nach der Ankunft von Lord Caitanya vor fünfhundert Jahren ein Goldenes Zeitalter von zehntausend Jahren kommen würde, wenn das Chanten der Heiligen Namen Gottes alle Entartungen der modernen Zeit vollständig beseitigt, und wirklicher spiritueller Friede zu diesem Planeten kommen würde.

George: Nun, Prabhupada hat diese Welt definitiv in einer absoluten Weise beeinflusst. Was er uns gegeben hat, war die höchste Literatur, das höchste Wissen. Damit meine ich, es gibt einfach nichts Höheres.

Mukunda: In deiner Autobiographie schreibst du, "No matter how good you are, you still need grace to get out of the material world. You can be a yogi or a monk or a nun, but without God’s grace you still can’t make it." [„Egal wie gut du bist, du brauchst immer noch Gnade, um aus der materiellen Welt zu entkommen. Du magst ein Yogi sein oder ein Mönch oder eine Nonne, aber ohne Gottes Gnade kannst du es immer noch nicht schaffen.“] Und am Ende des Lieds „Living in the Material World“ lautet der Text "Living in the Material World",  "Got to get out of this place by the Lord Sri Krishna’s grace, my salvation from the material world." [„Ich muss von diesem Ort weg durch Lord Krishnas Gnade, meiner Rettung aus der materiellen Welt.“] Wenn wir uns auf die Gnade Gottes verlassen, was meint dann der Ausdruck "God helps those who help themselves"[„Gott hilft denen, die sich selbst helfen?“].

George: Ich denke, das ist flexibel. Einerseits werde ich nie von hier herauskommen, wenn es nicht durch Seine Gnade geschieht, aber dann ist wieder andererseits Seine Gnade relativ zur Menge an Sehnsucht, die ich in mir selbst offenbare. Die Menge an Gnade, die ich von Gott erwarten würde, sollte gleich der Menge an Gnade sein, die ich sammeln oder vedienen kann. Ich bekomme heraus, was ich hereinstecke. So wie in dem Lied, das ich über Prabhupada schrieb:

"The Lord loves the one that loves the Lord And the law says if you don’t give, then you don’t get loving. Now the Lord helps those that help themselves. And the law says whatever you do It comes right back on you"

"Der Herr liebt den, der den Herrn liebt Das Gesetz sagt, wenn Du sie nicht gibst, dann erhältst Du auch keine Liebe. Der Herr hilft jetzt denen, die sich selbst helfen. Und das Gesetz sagt, was auch immer du tust, es kommt genauso zu Dir zurück."

Hast du das Lied "That Which I Have Lost" auf meinem neuen Album, „Somewhere in England“ gehört? Es kommt direkt aus der Bhagavad-gita. Darin spreche ich über den Kampf der Kräfte der Dunkelheit, Begrenzungen, Falschheit und Sterblichkeit.




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Gott ist eine Person


Mukunda: Ja, es gefällt mir. Wenn Leute die Botschaft des Herrn in der Bhagavad-gita verstehen können, können sie wirklich glücklich werden. Viele Leute, die gerade ihr spirituelles Leben begonnen haben, verehren Gott als unpersönlich. Was ist der Unterschied zwischen der Verehrung Krishnas oder Gotte in Seiner Persönlichen Form und der Verehrung Seiner unpersönlichen Natur als Energie oder Licht?

George: Das ist wie der Unterschied zwischen dem Umgang mit einen Computer oder dem Umgang mit einer Person. Wie ich früher gesagt habe, „Wenn es einen Gott gibt, möchte ich Ihn sehen“, nicht nur Seine Energie oder Sein Licht, sondern Ihn.

Mukunda: Worin besteht deiner Ansicht nach das Ziel des menschlichen Lebens?

George: Jedes Individuum muss sein eigenes Karma kaputtmachen und den Ketten von maya (Illusion), der Wiedergeburt und all dem entkommen. Das Beste, was man den Menschen geben kann, ist Gottes-Bewusstsein. Dann kannst du ihnen wirklich etwas geben. Zuerst aber musst du dich auf deinen eigenen spirituellen Fortschritt konzentrieren; in gewisser Weise müssen wir selbstsüchtig werden, um selbstlos werden zu können.

Mukunda: Warum sollte man nicht versuchen, die Probleme des Lebens ohne Verwendung des spirituellen Prozesses zu lösen?

George: Das Leben ist wie ein Stück Band mit vielen hereingeknüpften Knoten. Die Knoten sind das Karma, mit dem du von all deinen vergangenen Leben geboren wirst, und der Gegenstand des menschlichen Lebens ist es, diese Knoten anzugehen und versuchen, sie zu lösen. Das ist es, was Chanten und Meditation im Krishna-Bewusstsein vollbringen können. Andernfalls knotest du schlichtweg jedesmal zehn weitere Knoten, wenn du versuchst, einen Knoten zu lösen. So funktioniert Karma. Das bedeutet, wir sind jetzt die Ergebnisse unserer vergangenen Handlungen, und in der Zukunft werden wir die Ergebnise der Handlungen sein, die wir jetzt ausführen. Ein wenig Verständnis von „Was du säst, wirst du ernten“ ist wichtig, weil du dich dann nicht bei irgendjemand anderem über den Zustand beklagen kannst, in dem du dich befindest. Du weisst, das du durch deine eigenen Handlungen noch mehr in Schwierigkeiten geraten oder aus solchen herauskommen kannst. Es sind deine eigenen Handlungen, die dich befreien oder binden.

Mukunda: Im Srimad-Bhagavatam, dem Kronjuweil aller Vedischen Literatur, wird beschrieben, wie diese reinen Seelen, die mit Gott in der spirituellen Welt leben, verschiedenen Arten von Rasas oder Beziehungen mit Ihm haben. Gibt es eine besondere Art, in der du gerne über Krishna denkst?

George: Ich mag die Vorstellung, Krishna als Baby zu sehen, so wie Er oft in Indien geschildert wird. Und außerdem Govinda, den Kuhhirtenjungen. Mir gefällt die Vorstellung, dass du Krishna als Baby haben kannst und dich als Ihn beschützend fühlen kannst, oder als Deinen Freund, oder als Guru oder Herr-ähnliche Figur.





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"My Sweet Lord"


Mukunda: Es läßt sich wohl nicht ermessen, wieviel Leute sich durch dein Lied „My Sweet Lord“ zum Krishna-Bewusstsein gewendet haben. Du durchlebtest eine ziemlich persönliche Erfahrung, bevor du dich zum Schreiben dieses Lieds entschlossen hast. In deinem Buch sagtest du, „Ich dachte viel darüber nach, ob ich 'My Sweet Lord' machen sollte oder nicht, weil ich mich damit mich selber öffentlich machen würde... Viele Leute fürchten die Worte Herr und Gott... ich legte meinen Hals auf den Hackklotz … zur selben Zeit dachte ich aber, 'Niemand sagt es... weshalb sollte ich zu mir selber die Unwahrheit sprechen?' Ich begann, an die Wichtigkeit zu glauben, dass du es sagen solltest, wenn du etwas stark genug fühlst."

"Ich wollte zeigen, dass Hallelujah und Hare Krishna ziemlich dasselbe sind. Ich liess die Stimmen 'Halleluja' singen und dann zu 'Hare Krishna' wechseln, damit die Leute das Maha-mantra chanten würden, bevor sie wissen, was eigentlich vorgeht! Ich hatte seit langer Zeit Hare Krishna gechantet, und dieses Lied war eine einfache Idee, die westliche Pop-Entsprechung eines Mantras zu machen, die wieder und wieder die Heiligen Namen wiederholt. Darüber fühle ich mich nicht schuldig oder schlecht; tatsächlich hat es viele vor einem Leben in Heroinabhängigkeit bewahrt.“

Warum wolltest du Hare Krishna überhaupt auf dem Album haben? Wäre „Halleluja“ alleine nicht gut genug gewesen?

George: Nun, zunächst ist "Halleluja“ ein freudiger Ausdruck, den die Christen verwenden, aber „Hare Krishna“ hat eine mystische Seite. Es bedeutet mehr als nur Gott zu verherrlichen; es bittet darum, sein Diener werden zu dürfen. Und aufgrund der Weise, in der das Mantra zusammengesetzt ist, mit der mystischen spirituellen Energie, die in diesen Silben steckt, ist es viel näher an Gott als die Art, in der das Christentum ihn derzeit zu repräsentieren scheint. Obwohl Christus meiner Ansicht nach ein absoluter Yogi ist, denke ich, dass heutzutage viele christliche Lehrer Christus verdrehen. Es wird von ihnen erwartet, dass sie Jesus repräsentieren, aber sie machen es nicht sehr gut. Sie lassen ihn ziemlich übel im Stich, und das ist ein großes Abschalten. Meine Idee in "My Sweet Lord" war es, sich ein wenig an sie heranzuschleichen, weil es sich wie ein „Pop-Song“ anhört. Der Punkt bestand darin, dass sich die Leute durch „Halleluja“ nicht beleidigt fühlen, und wenn es dann mit „Hare Krishna“ weitergeht, hängen sie bereits an der Angel, ihre Füße tappen mit, und sie singen bereits „Halleluja“ mit, um sie sozusagen in falsche Sicherheit zu wiegen. Und dann wechselt es plötzlich zu „Hare Krishna“, und sie werden es alle singen, bevor sie merken, was passiert ist, und sie werden denken, „He, ich dachte, dass ich Hare Krishna nicht mögen soll!“ Die Leute schreiben mir noch heute und fragen, welche Ausdrucksweise das wäre. Zehn Jahre später versuchen sie immer noch herauszufinden, was die Worte bedeuten. Es war wirklich nur ein kleiner Trick. Und es war nicht beleidigend. Aus irgendeinem Grund habe ich niemals irgendwelche beleidigten Rückmeldungen von Christen bekommen, die sagten „Uns gefiel es bis zu einem gewissen Punkt, aber was soll all das mit Hare Krishna?“ Halleluja mag ursprünglich irgendetwas Mantra-artiges gewesen sein, das verwässert wurde, ich bin mir aber nicht sicher, was es wirklich bedeutet. Das griechische Wort für Christus ist Kristos, das, wie wir uns vor Augen führen sollten, Krishna ist, und Kristos ist tatsächlich der selbe Name.

Mukunda: Worin besteht deiner Meinung nach der Unterschied zwischen der christlichen Sichtweise von Gott und Krishna, wie er in der Bhagavad-gita dargestellt wird?

George: Als ich das erste Mal zu diesem Haus kam, war es von Nonnen besetzt. Ich brachte dieses Poster von Vishnu [einer vierarmigen Form von Krishna] herein. Du siehst nur Seinen Kopf und die Schultern und Seine vier Arme, die ein Muschelhorn und andere Symbole trägt, und darüber steht ein großes Om geschrieben. Diese transzendentale Silbe, die Krishna repräsentiert, wurde in der Geschichte von vielen Personen zur spirituellen Vervollkommnung gechantet. Er hat um sich eine schöne Aura. Ich liess es an der Feuerstelle und ging in den Garten. Als wir in das Haus zurückkamen, stürzten sich alle auf mich und sagten „Wer ist das? Was ist das?“, als ob es irgendeine heidnische Gottheit wäre. So sagte ich, „Nun, wenn Gott unbeschränkt ist, kann Er in jeder Form erscheinen, wie auch immer Er zu erscheinen wünscht. Das ist eine Art davon. Er wird Vishnu genannt“. Das hat sie in gewisser Weise ein wenig ausrasten lassen, der Punkt ist aber, warum sollte Gott beschränkt sein? Selbst wenn du Ihn als Krishna anerkennst, ist Er nicht auf dieses Bild von Krishna beschränkt. Er kann die Baby-Form sein, Er kann Govinda sein und sich in so vielen gutbekannten Formen manifestieren. Du kannst Krishna als kleinen Jungen sehen, so wie ich Krishna gerne sehe. Es ist eine freudige Beziehung. Aber dann ist da noch diese morbide Seite der Art, wie viele heute das Christentum repräsentieren, über die du nicht lachst, weil sie zu ernst ist, und du kannst nicht erwarten, Gott zu sehen – diese Art Zeug. Wenn es einen Gott gibt, müssen wir ihn sehen, und ich glaube nicht an die Idee, die man in den meisten Kirchen findet, wo sie sagen, „Nein, du wirst Ihn nicht sehen. Er ist ganz hoch über dir. Glaube nur, was wir dir sagen, und sei still.“ Damit meine ich, das Wissen, das in Prabhupadas Büchern vermittelt wird – der Vedische Stoff – das sind die ältesten Schriften der Welt. Sie sagen, dass der Mensch gereinigt werden kann, und dass er mit göttlicher Vorstellung Gott sehen kann. Du kannst durch Chanten rein werden, dann wirst du ihn sehen. Und Sanskrit, die Sprache in der sie geschrieben sind, ist die weltweit erste aufgezeichnete Sprache. Devanagari [das Alphabet der Sanskrit-Sprache] bedeutet tatsächlich „Sprache der Götter“.

Mukunda: Welcher Religion man auch immer angehört, wer aufrichtig spirituellen Fortschritt anstrebt, kann den Wert des Chantens gewöhnlich erkennen. Damit meine ich, dann, wenn solche eine Person wirklich versuchen würde, Gottes-bewusst zu werden, und aufrichtig zu chanten versucht.

George: Das ist richtig. Die Frage ist, ob man offen ist. Jeder, der offen ist, kann es tun. Du musst nur offen sein und nicht voreingenommen. Du musst es einfach versuchen. Es gibt keinen Verlust, wie du weisst. Aber die „Intellektuellen" werden immer Probleme haben, weil sie immer „wissen“ müssen. Oft sind sie die spirituell bankrottesten Leute, weil sie niemals loslassen; sie verstehen nicht die Bedeutung davon, das Denkvermögen „zu transzendieren“. Eine gewöhnliche Person jedoch ist eher dazu bereit zu sagen, „Okay. Lass es mich versuchen und sehen, ob es funktioniert. Das Chanten von Hare Krishna kann eine Person auch zu einem besseren Christen machen.




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Karma und Reinkarnation


Mukunda: In I, Me, Mine sprichst Du über Karma und Reinkarnation, und darüber, dass der einzigste Weg, aus dem Kreis auszubrechen, das Beginnen eines vertrauenswürdigen spirituellen Prozesses ist. An einer Stelle sagtest Du, „Jeder hat Angst vor dem Sterben, doch die Ursache des Todes ist die Geburt, wenn du also nicht sterben willst, dann werde nicht geboren!“ Glaubte irgendjemand der restlichen Beatles an Reinkarnation?

George: John, da bin ich mir sicher. Und ich würde Paul und Ringo nicht unterschätzen. Ich wäre nicht überrascht, wenn sie hoffen, dass es wahr ist, wenn du weisst, was ich meine? Soweit ich weiss, könnte Ringo ein Yogi in der Verkleidung eines Trommlers sein!

Mukunda: Paul besitzt unser letztes Buch, "Zurückkommen: Die Wissenschaft von der Reinkarnation". Was denkst du, wo Johns Seele jetzt ist?

George: Ich würde hoffen, dass er an einem guten Ort ist. Obgleich er das Verständnis besaß, dass jede Seele reinkarniert, bis sie vollständig rein ist, und dass jede Seele ihre eigene Ebene findet, bestimmt von den Reaktionen auf ihre Handlungen in diesem und vorherigen Leben.

Mukunda: Bob Dylan chantete einst sehr viel. Er pflegte in den Los Angeles-Tempel zu kommen, und er kam auch zu den Tempeln in Denver und Chicago. Tatsächlich fuhr er einmal mit zwei Gottgeweihten quer durch die ganzen Vereinigten Staaten und schrieb mehrere Lieder über Krishna. Sie verbrachten viel Zeit mit Chanten.

George: Das stimmt. Er sagte, er geniesse das Chanten und das Zusammensein mit ihnen. Auch Stevie Wonder hatte euch auf einer seiner Platten, weisst du. Und das Lied, in den er das Chanten einbaute, war großartig - „Pastimes Paradise.“

Mukunda: Als du in Vrindavana warst, wo Lord Krishna in Indien erschien, und du tausende von Leuten Hare Krishna chanten sahst, hat es dein Vertrauen in die Idee des Chantens gestärkt, eine ganze Stadt zu sehen, die Hare Krishna lebt?

George: Ja, das stärkt dich. Es hilft definitiv. Es ist fantastisch, an einem Ort zu sein, wo es die ganze Stadt tut. Und ich hatte auch den Gedanken, sie alle waren ganz von der Vorstellung erledigt, irgendeine weisse Person beim Chanten auf Perlen zu sehen. Vrindavana ist eine der heiligsten Städte in Indien. Jedermann chantet überall Hare Krishna. Es ist mein fantastischstes Erlebnis.

Mukunda: In deinem Buch schriebst du: „Fast die ganze Welt albert herum, besonders die Leute, die glauben, dass sie die Welt und die Gemeinschaft beherrschen. Die Präsidenten, die Politiker, das Militär, etc., alle zerren daran herum und benehmen sich so, als wären sie der Herr ihrer eigenen Besitztümer. Das ist das grundsätzliche Problem Nummer eins auf diesem Planeten.“

George: Das ist richtig. Solange du nicht eine Art Gottes-bewusster Handlungen durchführst und weisst, dass Er derjenige ist, der wirklich verantwortlich ist, solange baust du nur jede Menge Karma auf und hilfst in Wirklichkeit weder dir selber noch jemand anderen. Bei mir gibt es einen Punkt, der jenseits der Traurigkeit ist, wenn ich den heutigen Zustand der Welt sehe. Alles ist so durcheinander. Es ist schrecklich, und es wird schlimmer und schlimmer werden. Überall mehr Beton, mehr Verschmutzung, mehr Radioaktivität. Es ist keine Wildnis übrig, keine reine Luft. Sie holzen die Wälder nieder. Sie verdrecken alle Ozeane. Auf eine Weise bin ich über die Zukunft des Planeten pessimistisch. Die großen Leute erkennen nicht, dass es für alles, was sie tun, eine Reaktion gibt. Du musst dafür bezahlen. Das ist Karma.

Mukunda: Glaubst Du, es besteht noch irgendeine Hoffnung?

George: Ja. Einer nach dem anderen muss Maya entkommen. Jeder muss sein Karma kaputtmachen und der Reinkarnation und all dem entfliehen. Hören wir auf zu glauben, dass wenn sich Britannien oder Amerika oder Rußland oder der Westen oder wer auch immer stärker entwickelt, dass wir sie dann schlagen könnten und danach Ruhe hätten und für immer glücklich weiterleben könnten. Das funktioniert nicht. Das beste, was du geben kannst, ist Gottes-Bewusstsein. Es ist genau inmitten von uns allen vorhanden. Verstehe, wer du bist. Wenn die Leute nur aufwachen und erkennen würden, wie die Wirklichkeit ist, gäbe es kein Elend in der Welt. Ich denke, das Chanten ist da ein ziemlich guter Anfang.

Mukunda: George, ich danke dir vielmals.

George: Gerne geschehen. Hare Krishna!




("Little Krishna"-Trailer bei YouTube)







Quellenangaben

  • Michael Grant (Mukunda Prabhu),Chant and be Happy, Iskcon BBT 1982
  • Prithu Prabhu: Fotos von George (er war George Harrisons Gastgeber in Vrindavan)